Logo.

Casa Batlló von Gaudí - Das Haus der Knochen

Zuletzt aktualisiert: 03/03/2026
Alex

Die Casa Batlló ist das magischste Haus von Antoni Gaudí und für viele eine der Must-See Sehenswürdigkeiten in Barcelona.

Das "Haus der Knochen" oder das "Haus des Drachen" - die Casa Batlló hat viele Namen, denn sie ist unglaublich phantasievoll gestaltet und ihre kuriose Architektur lässt viel Spielraum für Interpretationen und Legenden.

Die Casa Batlló liegt am Passeig de Gràcia, der damals wie heute zu den exklusivsten Adressen Barcelonas zählt. Hier reihen sich einige der prachtvollsten Gebäude des Modernismus aneinander, darunter die ebenfalls von Gaudí erbaute Casa Milà. Wer sich für Gaudis bekannteste und schönste Häuser interessiert, kann die Besichtigung beider Werke also geschickt miteinander verbinden.

Ich habe mich auf den neuesten Stand gebracht und das berühmteste Haus Barcelonas nach seiner technologischen Aufrüstung besucht. Ob sich das neue Besuchererlebnis lohnt und welche Unterschiede es zwischen den verschiedenen Eintrittspaketen gibt, verrate ich euch in diesem Beitrag.

Passeig de Gràcia, 43 08007 Barcelona

Passeig de Gràcia L2 L3 L4 R2 

Hop-On-Hop-Off Bus (Haltestelle Casa Batlló)

Inkl. im Barcelona City Pass + Go City Barcelona Pass, 3 € Rabatt mit Barcelona Card 
Die Fassade der beleuchteten Casa Battló bei Nacht.
Allgemeine Info
  • Die Casa Batlló ist zugänglich für Rollstuhlfahrer, die Aufzüge fahren bis nach oben zur Dachterrasse.
  • Casa Batlló ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Barcelona, in denen Haustiere willkommen sind ❤️
  • Gepäckaufbewahrung ist nicht möglich. Kinderwägen und Rollstühle können abgestellt werden.

Ticket Symbol.Dieser Beitrag enthält Affiliatelinks. Wenn ihr eure Tickets über einen dieser Links bucht, erhalte ich vom Anbieter eine kleine Provision. Für euch ändert sich der Preis nicht.

Öffnungszeiten der Casa Batlló

Täglich: 08:30 - 22:30 Uhr

☀️Generelle Besichtigungen: 9:00 Uhr - 19:15 Uhr
🌅Besichtigung am Morgen (Be the First): Einlass 8:30 - 8:45 Uhr
🌖 Nachtbesuch: Einlass 20:30 - 21:30 Uhr

Letzter Eintritt: 21:30 Uhr
Besichtigungsdauer: ca. 1 Stunde 15 Minuten

Online-Tickets für die Casa Batlló

Standardbesichtigungen

Der Preis für ein Standardticket (Blue Ticket) beträgt 29 Euro. Damit erhält man mit einem Audioführer Zugang zum Inneren der Casa Batlló (je nach Uhrzeit kann der Preis abweichen).

Die Silber-, Gold- und Platinum-Tickets beinhalten zusätzliche Leistungen wie ein "Virtual Reality" Tablet, das beispielsweise digital Möbel in die leeren Räume zaubert, sowie Zugang zu den möblierten Vintage-Räumen der Casa Batlló.

Der Zugang zur Drachenterrasse ist nur noch mit dem Silberticket und den höheren Kategorien enthalten.

Egal für welches Ticket ihr euch entscheidet, solltet ihr euch euren Eintritt auf jeden Fall vorab online sichern. Die Casa Batlló ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Barcelona, was man vor allem in der Hochsaison an den langen Schlangen merkt.

Mit eurem Onlineticket könnt ihr zumindest die Warteschlange am Ticketschalter überspringen. Natürlich werdet ihr nicht die einzigen mit Onlineticket sein - mit der Platinum-Option gelangt ihr über die VIP-Linie direkt ins Innere der Casa Batlló.

Außerdem spart man bei Onlinebuchung noch ein bisschen Geld: bei Ticketkauf am Schalter fallen 4 - 15 EUR Gebühren an.

Blue Ticket ab 29 €

  • Eintritt Casa Batlló
  • Audioführer
  • Gaudí Cube

Silver Ticket ab 34 €

  • Eintritt Casa Batlló
  • Audioführer
  • Gaudí Cube
  • Drachenterrasse

Gold Ticket ab 41 €

  • Eintritt Casa Batlló
  • Audioführer
  • Gaudí Cube
  • Drachenterrasse
  • Tablet mit virtueller Realität
  • Gaudí Dome
  • Conciergezimmer
  • Historisches Zimmer mit antiken Möbeln

Platinum Ticket ab 51 €

  • VIP Zugang ohne Anstehen
  • Audioführer
  • Gaudí Cube
  • Drachenterrasse
  • Tablet mit virtueller Realität
  • Gaudí Dome
  • Conciergezimmer
  • Historisches Zimmer mit antiken Möbeln
  • Kostenlose Umbuchung & Stornierung bis 3 Std vorher

Ticket Symbol. Über diesen Link könnt ihr euch alle Ticketoptionen ansehen.

Die Onlinetickets können direkt auf dem Handy vorgezeigt werden.

Je nachdem, welches Ticket man besitzt, stellt man sich entweder an der "normalen" Blue Spur, der Silver & Agencies Spur, oder der Gold Spur (Schnelleinlass) an.

Blue, Silver, Gold oder Platinum? Diese Frage versuche ich weiter unten in meinem Erfahrungsbericht zu beantworten.

Vergünstigungen:

Senioren ab 65 Jahre: 3 €
Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren: 16 €
Studenten mit Ausweis: 6 €
Personen mit Behindertenausweis (über offizielle Webseite): 6 €
Residenten Spaniens (2 for 1, über offizielle Webseite): - 50%

Kinder bis zu 12 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen mit Ticket haben freien Eintritt

7 € Vergünstigung mit folgenden Karten und Pässen (nur am Schalter):

Eintritt gratis mit den folgenden City Cards und Pässen:

Die Fassade der Casa Batlló auf dem Passeig de Gràcia.

Nachtbesuch (eine Winternacht)

Die Nachtbesuche werden noch bis 16. März angeboten.

Der Einlass ist zwischen 20:30 und 21:30 Uhr.

Die bei Dunkelheit stimmungsvoll beleuchteten Elemente erzeugen eine schöne Atmosphäre, trotzdem würde ich persönlich zu einer Tagesbesichtigung raten, wo Gaudís Gesinnung besser zur Geltung kommt. Für Gaudí war das Licht Teil der Architektur und durch Einsatz von Materialen und Farben bezog er es in alle seine Werke mit ein.

Ticket Symbol. Tickets für die Abendbesichtigung kaufen

Tickets für die Abendbesichtigung sind ausschließlich Online erhältlich.

Der Nachtbesuch beinhaltet ein Gläschen Cava, aber dafür nicht den Besuch der Drachenterrasse. Wer die Drachenterrasse erleben will, sollte den Nachtbesuch mit den Noches Màgicas verbinden.

Magische Nächte in der Casa Batlló

Nur im Sommer!

Einlass: 20:00 (Konzertbeginn ab 21:00 Uhr)

Im Sommer können Besucher während einer Nachtbesichtigung der Casa Batlló Noches Mágicas erleben, die mit einem Live-Konzert enden.

Alle Eintrittskarten beinhalten die normale Besichtigung durch die Casa Batlló,
ein Getränk (Cava, Wein oder Bier) und ein einstündiges Live-Konzert auf der Drachenterasse.

Pro Tisch können 2-6 Gäste Platz nehmen, Kinder bis zu 12 Jahren haben freien Eintritt (in Begleitung eines Erwachsenen mit Ticket). Es müssen mindestens 2 Tickets gekauft werden.

Die Musikrichtung ist abhängig vom Programm und reicht von Rock, Pop, Folk, Jazz über Klassik zu Flamenco.

Blue
Silver
Gold
  • Besichtigung Casa Batlló 
  • Audioführer
  • Gaudí Cube
  • Glas Cava
  • Tisch etwas abseits von der Bühne

Ticketpreis: 59 €

  • Besichtigung Casa Batlló
  • Audioführer
  • Gaudí Cube
  • Gaudí Dome
  • Tablet mit virtueller Realität
  • Glas Cava
  • Tisch etwas näher an der Bühne

Ticketpreis: 67 €

  • VIP-Zugang ohne Anstehen über die Gold Linie
  • Audioführer
  • Gaudí Cube
  • Gaudí Dome
  • Tablet mit virtueller Realität
  • Conciergezimmer
  • Glas Cava
  • Tisch direkt vor der Bühne
  • Stornierbares Ticket

Ticketpreis: 69 €

Ticket Symbol.Tickets für die magischen Nächte kaufen

Tickets für die Magic Nights sind ausschließlich Online erhältlich.

Die Onlinetickets können direkt auf dem Handy vorgezeigt werden.

Vergünstigungen für die Noches Mágicas:

  • Residenten Spanien (2 for 1): -50% (mdst. 2 Personen, paarweise)
  • Kinder bis zu 12 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen (mit Ticket) haben freien Eintritt
  • Alle anderen Vergünstigungen der normalen Besichtigung gelten nicht für die Noches Mágicas.
Zur Besichtigung springen

Die Geschichte der Casa Batlló

Wie der Zufall es will, wurde das ursprüngliche Haus auf dem Passeig de Gràcia Nummer 43 im Jahre 1877 von einem ehemaligen Lehrer Gaudis, Emilio Sala Cortés, gebaut. 1903 kaufte der Industrielle Josep Batlló das Gebäude mit dem Gedanken, es abzureißen und sein geplantes Herrenhaus von Grund auf neu zu errichten.

Zu diesem Zweck beauftragte er Antoni Gaudí, der die Familie Batlló davon überzeugte, die Struktur des Hauses zu erhalten und es stattdessen grundlegend zu renovieren. Die Restaurierung des Gebäudes begann im Jahr 1904 und endete 1907.

Nach dem Tode Batllós im Jahr 1934 war das Haus im Besitz verschiedener Unternehmen und Privatpersonen und diente mehreren Zwecken, unter anderem als Asyl für Kriegsflüchtlinge während des Zivilkriegs.

Aktuell ist das Gebäude Eigentum der Familie Bernat, den Fabrikanten der Chupa-Chups Lutscher, die es restaurieren ließ und für die Öffentlichkeit zugänglich machten. 2005 wurde die Casa Batlló zum UNESCO Kulturerbe erklärt.

Casa Batlló - Architektur im Jugendstil

Zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wanderte das Großbürgertum aus der zu eng gewordenen Altstadt Barcelonas in den neuen Stadtteil Eixample ab, wo sich der Großteil der modernistischen Architektur der Stadt befindet.

Die Casa Batlló ist eines der berühmtesten Beispiele des katalanischen Jugendstils (Modernisme), obwohl Gaudí eigentlich kein wirklicher Anhänger dieses Baustils war, den er als "albern" empfand. Bei all seinen Werken ging es dem genialen Architekten nicht nur um die Schönheit, die der Modernismus erstrebt, sondern vor allem auch um Funktionalität.

Auch beim Bau der Casa Batlló wurden alle Elemente von Gaudí bis ins kleinste Detail geplant, bis ein einheitliches Konzept entstand. Alles musste zusammenpassen, von der Struktur bis hin zur Dekoration.

Ansicht der bunten Fensterfront der noblen Etage der beleuchteten Casa Batlló bei Nacht.
Hinter der Fensterfront befand sich die Wohnung der Familie Batlló

Bei all seinen Werken holte sich Gaudí Inspiration aus der Natur und ihren altbewährten, über Millionen von Jahren erprobten Strukturen. Dieser naturalistische Einfluss ist in der Casa Batlló besonders deutlich zu spüren.

Der Architekt war dafür bekannt, während der Entwicklung eines Projekts seine Baupläne immer wieder zu ändern und anzupassen. Meist fand dieser Prozess nur in seinem Kopf statt, weshalb heute nicht immer ganz klar ist, was Gaudí mit seiner Symbolik ausdrücken wollte.

Das Haus der Knochen

Die Fassade der Casa Batlló wurde hauptsächlich aus Gestein von Barcelonas Hausberg Montjuïc geschaffen und mit bunten Scherben besetzt, die aus Keramik- und Glasmüll gewonnen wurden.

Die geschwungene Fassade der Casa Batlló erinnert manche an die sanften Wellen des Mittelmeers, während die in der Sonne farbig schillernden Keramikscherben an Muscheln erinnern.

Die an Schädel erinnernden Balkone der beleuchteten Casa Batlló bei Nacht.
Die Balkone erinnern je nach Tageszeit und Beleuchtung entweder an Muscheln oder an Schädel

Andere sehen in den knochenförmigen Säulen und schädelartigen Balkonvorsprüngen die Opfer des Drachen aus der Legende von Sant Jordi, weshalb die Casa Batlló auch als das Haus der Knochen oder als das Haus des Drachen bekannt ist.

Tipp: Wer die Legende des Drachentöters nicht kennt, sollte dem nahegelegenen White Rabbit Museum einen Besuch abstatten.

Je nachdem, ob man sich die Casa Batlló tagsüber bei Sonnenschein oder abends in unheimlicher Beleuchtung ansieht, neigt man eher zur einen oder anderen Theorie.

Besichtigung - Im Inneren der Casa Batlló

Die Casa Batlló setzt sich insgesamt aus acht Stockwerken zusammen: dem Erdgeschoss, der Hauptetage, den oberen Stockwerken sowie einem Dachgeschoss. Bei der Besichtigung durchquert man fast alle Stockwerke, begehbar sind jedoch nur drei Stockwerke und die Dachterrasse.

Die Wohnung der Familie Batlló befand sich auf der Hauptetage hinter der großen Fensterfront und wird auch als "Edles Stockwerk" (Planta Noble) bezeichnet. Die darüberliegenden Wohnungen waren vermietet und über ein separates Treppenhaus zugänglich, durch das auch die Besichtigung führt. Im Gegensatz zur Casa Milà ist die Casa Batlló heute unbewohnt.

Was ist im Ticketpreis inbegriffen?

Das Standardticket beinhaltet Zugang zur Wohnung der Familie Batlló, zum Lichterpatio und zum Dachgeschoss. Wer auf die Dachterrasse möchte, muss seit 2025 mindestens ein Silberticket kaufen.

Das modernisierte Besuchererlebnis der Casa Batlló führt außerdem durch zwei neue Säle: den Gaudí Cube und den Gaudí Dome, wo man dank immersiver Technologien einen Einblick in das kreativen Genie des katalanischen Architekten erhält. Der Gaudí Dome ist nur im Gold- und Platinum-Eintritt enthalten.

Alle Tickets beinhalten einen Audioführer in der Größe eines Handys, der auch auf Deutsch erhältlich ist. Bei den Tickets Gold und Platinum ist der Audioführer auf einem Tablet installiert, das zusätzlich visuelle Anreize bietet.

Mit den Gold- und Platinum-Eintritten können optional auch das Concierge-Zimmer und die „privaten Zimmer“ der Familie Batlló mit historischen Möbeln besichtigt werden.

Besichtigung mit Blue Ticket

Hinweis: Die Streckenführung wird immer wieder mal geändert, es kann also sein, dass eurer Erlebnis etwas anders abläuft.

Besucher mit einem Blue- oder Silber-Ticket erhalten am Eingang die Audioguides im Handyformat, Gold- und Platin-Ticket-Inhaber das Virtual-Reality-Tablet.

Mit dem Audioguide am Ohr und dem Tablet in der Hand geht's weiter in die Eingangshalle. Hier ist der maritime Einfluss besonders ersichtlich, nehmt euch also einen Moment Zeit, um alles ausgiebig zu bestaunen, bevor ihr euch von den anderen Besuchern über die Treppe nach oben schieben lasst.

Auch im Inneren der Casa Batlló vermied Antoni Gaudí gerade Linien und rechte Winkel und es dominieren wieder geschwungene, organische Formen.

In der Eingangshalle kann man durch ein Fenster einen Blick in den Concierge-Raum werfen, der eigentlich nur im Gold und Platinum Eintritt enthalten ist, an dem man aber zwangsläufig auf dem Weg in die obere Etage vorbeikommt. Selbst wenn man nicht daran vorbeikommt, verpasst man nicht viel, ich hatte das Gold-Ticket aber habe noch nichtmal ein Foto davon gemacht.

Die Hauptetage

Richtig spannend wird es erst auf der "Edlen-Etage", wo sich die Wohnung der Familie Batlló befand. Die Wohnungen in den oberen Stockwerken wurden von den verheirateten Kindern der Batllós bewohnt, der Rest wurde vermietet.

Im ehemaligen Studio von Herrn Batlló befindet sich ein vielfotografierter Kamin. Wer im Besitz des Tablets ist und es an dieser Stelle nach oben hält, erblickt die unverkennbare Form eines Pilzes.

Der Salon ist das ist das Herz der Casa Batlló. In diesem behaglichen und hellen Raum sind alle Formen sanft geschwungen und in Naturtönen harmonisch gestaltet. Dank der knochenförmigen Säulen, die die gewellte Decke stützen, fühlt man sich fast wie in den Eingeweiden eines riesigen, wohlgesinnten Organismus.

Die gewellte Fensterfront des Hauptsalons, mit Blick auf den Passeig de Gracia.

Die vom Boden bis zur Decke reichende Fensterfront erlaubte den Batllós eine uneingeschränkte Sicht auf den Passeig de Gràcia. Man kann sich fast vorstellen, wie der Herr des Hauses hier an einer Pfeife puffend stand und mit einem Gefühl der Überlegenheit auf die vorbeigehenden Fußgänger blickte.

Die gewölbte Zimmerdecke im Salon dreht sich wie die Raumzeit selbst um eine sonnenförmige Lampe. Oder vielleicht doch eher wie ein Wasserstrudel um eine Meduse, denn das Motiv der Casa Batlló ist ja das Mittelmeer.

Die Zimmerdecke wölbt sich um die Lampe, die an eine Sonne erinnert.

Alle liebevollen Details, wie Kronleuchter, Türen, Fenster, Kamine und Schornsteine wurden von Gaudí selbst entworfen und Türklinken und Treppengeländer ergonomisch gestaltet.

Bei Renovierungsarbeiten wurde die ursprüngliche "Haut" der Casa Batlló, die lange Zeit verborgen war, wieder freigelegt und restauriert. Je nachdem in welchem Raum man sich befindet, weist der Stuck verschiedene Schattierungen von Blau bis Gold auf und die "schuppige" Oberfläche verstärkt die organische Wirkung.

Vom (unmöblierten) Esszimmer aus hat man Zugang zu einem kleinen Hinterhof, der einen Blick auf die schlichte Rückseite der Casa Batlló gewährt wird. Aufgrund ihrer Blöße ist auf dieser Seite die gewellte Struktur der Fassade sehr gut zu erkennen.

Der Innenhof der Lichter

Der blau-weiß gekachelte Innenhof (Patio de Luces) diente als Licht- und Frischluftzufuhr der Casa Batlló und ist einer der Höhepunkte der Besichtigung. Die Kacheln werden weiter unten zunehmend heller und die Fenster größer, wodurch das einfallende Tageslicht auf allen Stockwerken gleichmäßig verteilt wird.

Das lichtdurchflutete, blaue Patio zieht sich über 7 Stockwerke nach oben.

Blickt man durch das Kathedralglas der Treppengeländer auf das Blau der Kacheln, ersteht durch die Lichtbrechung ein interessanter Distortionseffekt und es scheint, als würde sich das Patio in einem leicht bewegten See spiegeln.

Das Dachgeschoss und Treppe

Auf dem Weg zur Dachterrasse durchquert man den Dachboden, dessen gerippte, weißen Wände wieder an das Innere eines Lebewesens erinnern - ein Effekt, der bei Gaudís Pedrera noch ausgeprägter ist.

Auf diesem Geschoss liegt auch der "Balkon der Prinzessin", den man gegen eine Gebühr betreten und ein professionelles Foto erwerben kann. Vom Balkon können außerdem die Keramikscherben der Hauptfassade aus der Nähe betrachtet werden.

Über die Treppe des japanischen Künstlers Kengo Kuma belangt man über acht Stockwerke wieder nach unten. An den Wänden ergießt sich ein Wasserfall aus Aluminiumketten und durch den Einsatz von Licht und Tönen sollen die Grenzen zwischen Raum und Umgebung aufgelöst werden.

Das gelingt meiner Meinung aber nicht ganz, vielleicht ließen sich bessere Effekte erzielen, wenn die Treppe noch etwas abgedunkelter wäre. Auf die Gefahr hin, sie im wahrsten Sinne des Wortes in eine Touristenfalle zu verwandeln...

Besichtigung mit Silber Ticket

Die Besichtigung mit dem Silberticket verläuft ähnlich wie mit dem Blue-Ticket, zusätzlich hat man damit Zugang zur Dachterrasse.

Die Drachenterrasse

Der Besuch der Dachterrasse ist das i-Tüpfelchen der Tour und man erlebt nochmal einen kleinen Wow-Moment. Hier kann man den erlegten Drachen aus der Legende des Sant Jordi aus der Nähe betrachten und seine farbigen Schuppen streicheln.

Auch die wunderlich gestalteten Schornsteine sind echte Hingucker - sie erfüllten einen ganz profanen, aber wichtigen Zweck: Sie ließen den Rauch der vielen Kamine in der Casa Batlló ab. Ihre Form verhindert, dass Luft zurück nach innen geblasen wird.

Das gewellte Dach erinnert an den Rücken eines liegenden Drachen.

Wir hatten unsere Besichtigung der Casa Batlló auf den späten Nachmittag gelegt und das Licht der untergehenden Sonne tauchte alles in warmes Licht. Bei zunehmender Dunkelheit sorgte die Beleuchtung auf dem Dach zusätzlich für schöne Stimmung.

Bei einigen Eintritten ist ein Gläschen Cava inbegriffen - zu diesem Zweck sind auf dem Dach der Casa Batlló eine Bar sowie Tische und Stühle aufgestellt. Im Sommer finden hier abends außerdem die Noches Mágicas und andere Musikveranstaltungen statt.

Was ich erst nach meiner Besichtigung erfahren habe: Gaudí ließ eine kleine Öffnung im Rücken des Drachen, um die fortschreitenden Bauarbeiten der Sagrada Familia beobachten zu können. Der Bau der Basilika begann 1882 und war während der Konstruktion der Casa Batlló bereits in vollem Gange.

Die Legende von Sant Jordi und dem Drachen

Der Legende nach erlegte der heilige Georg einen Drachen, um eine schöne Prinzessin zu retten - wie jeder Ritter eben, der etwas auf sich hält.

Das mit Keramikscherben bespickte Dach der Casa Batlló soll laut Interpretationen nach den schuppigen Rücken des erlegten Drachen darstellen und das Kreuz auf dem Turm symbolisiert das im Rücken steckende Schwert, das St. Georg benutzte, um den Drachen zu erlegen.

Das schuppenbesetzte Dach in Form eines Drachenrücken und das Kreuz, das das Schwert des Sant Georg symbolisiert.

Was Gaudí sich beim Bau der Casa Batlló wirklich dachte, ist leider nicht bekannt, denn der Architekt hinterließ wie üblich keine genauen Baupläne.

St. Georg, der im katalanischen Sant Jordi heißt, ist der Schutzheilige Kataloniens und der Drache ein immer wieder auftauchendes Symbol in den Werken Gaudis. Am Tag des Sant Jordi (23. April) wird die Fassade der Casa Batlló traditionell mit roten Rosen geschmückt.

Nicht so bekannt wie die Drachenterrasse der Casa Batlló ist das Dach der Torre Bellesguard, auf der Gaudí ebenfalls einen Drachen "versteckte", der selbst vielen Einheimischen nicht bekannt ist. Ich kann jedem, der etwas Zeit mit nach Barcelona bringt, einen Besuch der geschichtsträchtigen mittelalterlichen Burg empfehlen.

Besichtigung mit Gold Ticket

Wer ein Gold oder Platinumticket wählt, beginnt die Besichtigung im Gaudí Dome, wo man mit Bild- und Toneffekten auf den Besuch der Casa Batlló vorbereitet wird. Auf einer beweglichen Plattform dreht man sich um einen erschöpft wirkenden Gaudí, der in der Mitte über einen Tisch gebeugt sitzt.

Ich empfand diesen Raum als unspektakulär und als eine Art Schleuse, wo die Schlange stehenden Besucher unterhalten werden, während sie auf ihre Tablets warten, die hinter dem Gaudí-Dome ausgehändigt werden.

Das Conciergezimmer

Der kleine, enge Raum des Concierge liegt in der Eingangshalle hinter einer Glasscheibe und mehr als ein paar aufgehängte Mäntel gab es während meines Besuchs dort nicht zu sehen.

Die Privatresidenz der Familie Batlló

Hier zweigte die Gold-Führung von der normalen Führung ab, allerdings kontrollierte niemand die Tickets an der Türe. Darauf sollte man sich natürlich nicht verlassen und jeder der das Zimmer sehen will, sollte im Besitz eines Gold oder Platinum Tickets sein.

Mit antiken Möbeln dekorierter Raum in der Casa Batlló.

Bei der etwas irreführenden Bezeichnung Privatwohnung der Batllós (denn das gesamte Stockwerk war die Wohnung der Batllós) handelt es sich um einen großen Raum, der mit Möbeln aus jener Epoche ausgestattet ist, bei denen es sich aber nicht um die Originalmöbel der Familie handelt.

Gaudí-Cube

Fast wenn man denkt, man hätte ihn übersehen, gelangt man am Ende der Tour und hinter dem Souveniergeschäft zum Gaudí-Cube.

Auch an jenem ruhigen Herbsttag mussten wir ein paar Minuten warten, bis die vorherige Show beendet war und wir den Würfel betreten konnten. Im Inneren gab es genug Platz, um sich auf den Boden zu setzen; einige legten sich sogar hin.

Das Gesicht von Antoni Gaudí auf eine Seite des LED Würfels projiziert.

Die etwa dreiminütige Show war beeindruckender als erwartet und auf jeden Fall besser als der Gaudí-Dome am Eingang. Es handelt sich dabei um ein komplett digitales Erlebnis, bei dem die Bilder und Videos auf den vielen LED-Bildschirmen direkt auf einen zukommen scheinen. So oder so ähnlich stelle ich mir einen LSD-Trip vor.

Blau, Silber, Gold oder Platinum?

Vor dieser Frage stehen wahrscheinlich die meisten, die sich ein Ticket für die Casa Batlló kaufen wollen. Um euch darauf eine ehrliche Antwort geben zu können, habe ich mich für die Gold-Variante entschieden.

Meiner persönlichen Meinung nach lohnt sich der Aufpreis für das Goldticket nicht wirklich, denn weder den Gaudí-Dom, noch das Conciergezimmer oder den möblierten Wohnraum muss man unbedingt gesehen haben.

Die Dachterrasse hingegen ist ein Muss und ich finde es fast schon unverschämt, dass man seit 2025 überhaupt vor die Wahl gestellt wird. Den Aufpreis zwischen Blau und Silber Ticket sollte man also auf sich nehmen.

Auch das flexible Platinum-Ticket kann sinnvoll sein, vor allem bei einer Besichtigung während der Hochsaison und wenn man die Tickets einige Zeit vorab kauft.

Ticket Symbol. Über diesen Link könnt ihr euch alle Ticketoptionen ansehen.

Lohnt sich also der Aufpreis?

👍 Es lohnt sich, den Aufpreis für die Drachenterrasse zu bezahlen (ab Silber).

👎 Augmented Reality Tablet (ab Gold) - Man erhält entweder den normalen Audioführer oder das Tablet, weshalb ich keinen direkten Vergleich anstellen kann.

Beide Geräte haben den Audioführer installiert, der in 15 Sprachen erhältlich ist. Auf dem Tablet können über das Menü zusätzlich die Räume aufgerufen werden, in denen man sich gerade befindet. Manchmal werden dabei Details wie von Gaudí entworfene digitale Möbel eingeblendet - oft sehen die Räume auf dem Tablet jedoch genauso aus wie in der Wirklichkeit.

Auf der edlen Etage hatte ich den eigentlichen Sinn des Tablets bereits vergessen und es nur noch als Audioführer mit mir herumgeschleppt. Zudem habe ich aufgrund der Größe eher als hinderlich empfunden.

Animation eines Fensters in Form einer Schildkröte auf dem augmented Reality Tablet.
Das Tablet im Eingangsbereich in Aktion

👎 Der Gaudí-Dome kann getrost ausgelassen werden, zumindest für mich war die Show im Gaudí-Cube interessanter (ab Gold).

👎 Das Concierge Zimmer kann nur von außen betrachtet werden, was auch völlig ausreichend ist, denn außer ein paar aufgehängten Mänteln und Papierkram gibt es nichts zu sehen (ab Gold).

✊ Der möblierte Wohnraum gibt Besuchern einen kleinen Einblick in das Leben des Gutbürgertums Anfang des 20. Jahrhunderts. Vor allem wer die Casa Milà bereits besichtigt hat, kann aber auch diesen Raum getrost überspringen (ab Gold).

👍 Zusätzliche Flexibilität mag für viele den Aufpreis wert sein, ich würde es ein bisschen davon abhängig machen, wie weit im Voraus das Ticket gekauft wird (in der Nebensaison sollte ein Tag vorher ausreichend sein, in der Hauptsaison am Besten schon einige Tage vorher) (Platinum).

👍 Vorallem in der Hochsaison kann es zeitsparend sein, die Warteschlangen über die VIP-Line zu überspringen. Wer in der Nebensaison in Barcelona ist, kommt aber auch ohne VIP-Zugang ohne langes Warten in die Casa Batlló (Platinum).

Mit Kindern in die Casa Batlló

Für Kinder ist die Tour gerade wegen der neuen Technologien interessant und mit den Tablets können sie ein Weilchen beschäftigt werden. Auch die phantasievolle Gestaltung, die manchmal schon fast übertrieben erscheint, wissen sie zu schätzen. Wenn sie dann noch von dem "Drachen" hören, der auf dem Dach wartet, sind sie motiviert genug, um die Besichtigung aller Stockwerke in Kauf zu nehmen.

Kinder bis zu 12 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen mit Ticket freien Zutritt. Bei Ticketkauf muss ein Kinderticket für 0 EUR ausgewählt werden.

Lohnt sich ein Besuch der Casa Batlló?

Aufgrund ihrer zentralen Lage in der Innenstadt führt buchstäblich kein Weg an der Casa Batlló vorbei und zumindest von außen sollte man sie unbedingt bestaunen.

Für Architekturliebhaber ist die Casa Batlló natürlich ohnehin ein Muss und sie ist so außergewöhnlich, um auch Architekturbanausen zu beeindrucken. Unter allen von Gaudí erschaffenen Häusern ist die Casa Batlló die phantasievollste und drückt seinen naturalistischen Stil am besten aus.

Ein Besuch der Casa Batlló lohnt sich auch von innen, allerdings stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nicht ganz. Meiner Meinung nach verkomplizieren die ganzen Preisabstufungen den Besuch mehr, als dass sie zu einem guten Besuchererlebnis beitragen.

Abgesehen davon, dass ein Großteil der Einnahmen in die Konservierung und Renovierung der Casa Batlló fließt, wurde offensichtlich ein Vermögen in das neue "10D-Besuchererlebnis" gesteckt, das mich nicht ganz überzeugt hat. Ich zumindest habe den "altmodischen" Besuch bevorzugt, denn der technische Schnickschnack, den man mitbezahlt, bringt uns Gaudí und sein Werk letztendlich nicht näher.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Casa Batlló

Gleich neben der Casa Batlló befindet sich die Ticket Symbol.Casa Ametller, eines der wenigen Jugendstilhäuser in Barcelona, das komplett mit Originalmöbeln aus jener Zeit ausgestattet ist, was das Besuchserlebnis authentischer macht. Das Haus gehörte einem Chocolatier und in dem Café im Bogengang kann man eine der besten heißen Trinkschokoladen von Barcelona kosten - auch wenn man das Haus nicht besichtigen will.

Im Gegensatz zur Casa Batlló wurde die Casa Milà von Gaudí von Grund auf neu gebaut, sodass er seine ganze Genialität in sie stecken konnte. Trotzdem ist sie bei Nicht-Katalanen nicht so bekannt wie die Casa Batlló, was vielleicht an ihrem wenig vielversprechenden Äußeren liegt - bei den Bewohnern von Barcelona hat sie sich den abwertenden Spitznamen La Pedrera (Der Steinbruch) eingeholt. Auch von innen bevorzugen viele die farbenfrohere Casa Batlló, aber für mich besticht die Casa Milà mit ihrer "Bewohnbarkeit". Sie war ihrer Zeit weit voraus und man hat hier nicht das Gefühl, in einem Schlumpfhaus unter dem Meer zu sein.

Zwischen der Casa Battló und der Casa Milà liegt das White Rabbit Off Museum, in dem man anhand modernster Technik die schönsten Traditionen und Mythen Kataloniens kennenlernen kann, darunter die Legende von Sant Jordi und dem Drachen.

Gaudí-Fans sollten sich auch die etwas unbekannteren Häuser des Architekten ansehen: sowohl der Palau Güell als auch die Casa Vicens sind frühere Werke des Architekten.

Geschrieben von Alex

Als ich vor 15 Jahren das erste Mal nach Barcelona kam, habe ich mich sofort in diese wunderschöne Stadt verliebt, also bin ich direkt hiergeblieben und mittlerweile ist Barcelona zu meiner Heimat geworden. In diesem Blog will ich euch "meine" Stadt vorstellen und euch zeigen, was Barcelona so besonders macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

magnifiercrosschevron-downCookie Consent Banner von Real Cookie Banner linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram